Hinweise für Tröstende

Auch für einen dem Trauernden nahestehenden Menschen ist die Zeit der Trauer oft fremd und unbekannt. Auch der Tröstende befindet sich in einer Ausnahmesituation in der er sich oft hilflos fühlt und nicht weiß, wie er sich verhalten soll. Aber Trauernde haben oft nicht die Kraft, auf andere zuzugehen und um die Hilfe zu bitten, die sie so dringend brauchen. Sie erwarten eigentlich keine tröstenden Worte, sondern einfach nur, dass sie verstanden und in ihrer Trauer angenommen werden. Jeder Mensch ist anders, jeder Mensch trauert anders und will anders getröstet werden. Trösten bedeutet beizustehen.

Wollen Sie aktiv trösten, dann sollten Sie …

… da sein für den Trauernden und ihm signalisieren, dass er nicht alleingelassen wird, aber auch den Wunsch nach Einsamkeit respektieren. Der Trauernde soll  möglichst selbst entscheiden, ob und wieviel Hilfe er annehmen möchte.

… zuhören, denn vielen Trauernden hilft es, über die bisher nicht gekannten Gefühle reden zu können, einen Menschen zu haben, der einfach nur da ist, Interesse zeigt und zuhört. Lassen Sie den Trauernden auch vom Verstorbenen erzählen, aber zwingen Sie ihn nicht zum Reden, lassen Sie ihn selbst entscheiden wann und über was er sprechen möchte.

… Gefühle zulassen, die Gefühle des Trauernden und die eigenen. Wenn ein trauernder Mensch lacht, z.B. über gemeinsam mit dem Verstorbenen erlebte Dinge, dann lassen Sie das zu. Genauso wenn er weint, dann lassen Sie ihn weinen und wenn Ihnen danach ist, dann weinen Sie mit. Gefühle zu unterdrücken hilft weder dem Trauernden noch Ihnen. Bedenken Sie aber immer, dass jemand der einen geliebten Menschen verloren hat in einer extremen Ausnahmesituation ist. Er fühlt und denkt anders als Sie. In der Trauer kann auch Zorn entstehen, Zorn auf alles und jeden- auch auf Sie. Seien Sie darauf gefasst und versuchen Sie, sich in den Trauernden hineinzuversetzen und auch dieses Gefühl zuzulassen, nachsichtig zu sein und Verständnis zu zeigen. Lassen Sie aber auch Ihre Gefühle zu und reden Sie darüber, z.B. wenn Sie sich überfordert fühlen oder unsicher sind.

… nicht widersprechen. Trauernde machen sich manchmal Vorwürfe weil Sie sich für den Tod des geliebten Menschen verantwortlich fühlen, aus welchen Gründen auch immer. Widersprechen Sie dann nicht, sondern versuchen Sie, dem Trauernden zu erklären, dass die Liebe noch so groß gewesen sein kann, aber trotzdem niemand die Macht über Leben und Tod eines anderen hat.

… langfristige Hilfe anbieten und sich nicht nach kurzer Zeit zurückziehen. Ihre Hilfe ist nicht nur unmitttelbar nach dem Tod und der Beerdigung wichtig, sondern auch später, z.B. wenn der Trauernde sich bereit fühlt, persönliche Gegenstände des Verstorbenen auszusortieren. Vielleicht legen Sie zusammen eine Erinnerungskiste an? Führen Sie Rituale ein, vielleicht mit einem wöchentlichen Spaziergang, verbunden mit einem Friedhofsbesuch. Verbringen Sie gemeinsam bedeutende Tage, z.B. den Geburts- und Todestag des Verstorbenen, aber akzeptieren Sie auch hier ein Nein.

… dem Trauernden Zeit geben. Setzen Sie den Trauernden nicht unter Druck. Jeder Mensch trauert anders und es gibt keine Zeitgrenze um den Tod eines geliebten Menschen zu verarbeiten. Erleichtern Sie dem Trauernden den Weg zurück ins Leben, in den Alltag, beziehen Sie ihn ein. Aber geben Sie ihm die Zeit, die er braucht. Lassen Sie ihn diesen schweren Weg in seinem Tempo gehen und unterstützen Sie ihn dabei.